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WIBeN Wochenende 2018 – Projekt- und Kulturfahrt Schloss Batzdorf, Meißen und Dresden

Am langen Wochenende (Christi Himmelfahrt 10. – 13.5.2018) fand das traditionelle, jährliche WIBeN Wochenende statt, das als Projekt- und Kulturfahrt diesmal einen neuen Rahmen und Ausrichtung hatte.
Organisiert von Hermann (Vorstand WIBeN e.V.) und Josef (Schloss Batzdorf e.V.) fuhren 16 WIBeNs ( Franziska u. Martin, Axel u. Anne, Silke u. Hermann, Erika A. u. Edgar, Sabine, Jörg, Katrin, Ingo, Wini, Melanie, Erika G. u. Niko kam aus München dazu) mit 2 Kleinbussen die 500 km nach Scharfenberg bei Meißen zur Pension Horn, der Unterkunft für die Tage in Sachsen.
Im Schloss Batzdorf trafen wir z.T. auf Bekannte aus „alten Zeiten“: Stefan, Maren, Micha, Josef und Anna (Tochter von Bettina u. Josef) und deren Kinder.
Die Fahrt wurde, nach den WIBeN  Bauwochen 1992 u. 1993,  eine wunderbare Wiederaufnahme des Kontaktes zum Kulturprojekt und der Lebensgemeinschaft Schloss Batzdorf e.V. hoch über dem Elbetal zwischen Meißen und Dresden. Mit Josef als fachlich hochkompetentem Führer haben wir tiefe Einblicke in (Bau-)Geschichte und Leben in Meißen und Dresden bekommen. Darüber hinaus war es auch eine Begegnung mit unserer DDR–BRD-Geschichte. Sehr ernst beim Besuch der Stasi-Gedenkstätte in Dresden, aber auch extrem lustig, wenn wir z.B. in der Gastronomie (Rehbockschänke) auf alte DDR Verhaltensweisen trafen. O-Ton Gespräch mit Bedienung.  Frage: „Können wir noch einen Nachtisch bestellen?“ Antwort: „ Definitiv nicht!!!!“

Schloss Batzdorf:

Die Entstehung des Schlosses und des gleichnamigen Ortes geht ins 15 Jahrhundert zurück. Die wechselhafte Geschichte mit unterschiedlichen Nutzungen, auch in der DDR- Zeit, hinterließ eine historische Großbaustelle in allen Baugewerken. Schon in den letzten Jahren der DDR (bis 1989) versuchten fachkundige Restaurateure (Josef und Kolleg/Innen) die historische Substanz vor dem weiteren Verfall zu bewahren und zu sichern. In diesem Zustand lernten wir mit WIBeN 1992 u. 1993 das Schloss kennen und bauten 2 Wochen mit viel Spaß und Energie  an Dach (Sanierung eines Dachbereichs durch die Zimmerleute) und Fach (Sanierung diverser Natursteinmauern) gemeinsam mit den damaligen Schlossbewohner/Innen an dieser uferlosen Wahnsinnsbaustelle.
Und das ist nach weiteren 25 Jahren (Bauzeit) daraus geworden:
Ein auch optisch wunderbar saniertes historisches Gebäude, das nicht tot in der Gegend rumsteht, sondern in vielfältiger Art lebt und genutzt wird:
– Der Verein ist Besitzer des Schlosses und insgesamt wohnen aktuell 17 Erwachsene und 8 Kinder im Schloss in 6 Wohneinheiten.
– In 2 tollen Veranstaltungsräumen (Tonnenkeller und Rittersaal) und rund um das Schloss organisiert der Verein Kultur unterschiedlichster Art. Überregional bekannt sind die Barockfestspiele der Batzdorfer Hofkapelle (Stefan).
– Daneben gibt es Werkstätten unterschiedlichster Art, Gärten, Lauben, eine sanierte Hofkapelle, lauschige Plätzchen, eine 350jährige Linde und die alte Schwarzküche, in der unsere Köchin Franziska bei den Bauprojekten residierte und mit viel Freude und viel Sahne 50 – 60 Personen verpflegt hat.
– Auch die junge Generation (Kinder von Bettina u. Josef) hat sich z.T. am Schloss angesiedelt und daneben liegende Stallungen übernommen und zu Wohnzwecken ausgebaut.
Insgesamt ist die Erhaltung und Sanierung des Schlosses und der Umgebung eine unglaubliche Leistung der Menschen, die dort leben und aller, die sonst daran beteiligt waren. Und es ist vor allem ein Bespiel, dass Selbstverwaltung und kooperatives Leben funktionieren und existieren: autonom und ohne große Geldmittel.
Wir WIBeNs haben uns sehr wohlgefühlt im Schloss und haben die besonders positive Atmosphäre des Ortes und die Freundlichkeit der Bewohner an zwei Abenden genießen dürfen.

Das „Programm“ der Tage:
 Das Programm war, dass es eigentlich kein wirkliches Programm gab und wir uns (weitgehend harmonisch) gemeinsam durch die Tage bewegt haben. Und wir haben Vielfältiges erlebt und erfahren.
Freitag Meißen: Mit Josef als unschlagbarem Führer und humorvollem Geschichtenerzähler waren wir am Freitag erst mal in der alten Residenzstadt Meißen. Hier springt die Historie aus allen Gassen und Häusern und man fühlt sich ein bisschen wie im Mittelalter. Überall hatte Josef als Restaurator die Finger mit drin. Auch im hochgotischen Dom auf dem Domberg.  Etwas historisch erschöpft mussten wir dann Pause machen im Biergarten hoch über den roten Dächern der Stadt mit Blick auf die Elbe und diverse Schlösser auf der anderen Flussseite. Einige waren dann noch in der Meißener Porzellanmanufaktur, die natürlich eine besondere Geschichte hat. Weltberühmt seit Anfang des 18. Jahrh. und der erste Ort, an dem in Europa Porzellan hergestellt wurde.
Dann „flohen“ wir in die Ruhe nach Batzdorf und verlebten einen sehr schönen Abend unter der Hoflinde. Mit Grillen, diversen Erfrischungsgetränken und vielen interessanten Gesprächen am runden Brunnenstein.
Samstag Dresden: Mit Katrin hatten wir eine Mitreisende, die die ersten drei Wochen ihres Lebens in Dresden gelebt hat,  sich immer noch als Dresdenerin fühlt und viel weiß über diese Stadt. Natürlich war auch Josef wieder dabei. Und so bekamen wir nicht nur einen gewissen Ein- und Überblick in den (nachgebaut) barocken und sonstigen Bauwahnsinn, sondern auch wieder Geschichten und Verweise auf die DDR-Jahre und den Sinn und Unsinn der Nachwendezeit.
Beeindruckend war der Besuch einer Mittagsandacht mit Orgelmusik in der wieder aufgebauten Frauenkirche, die die größte Kuppel nördlich der Alpen hat. Ein unglaubliches Bauwerk, ein unglaublicher Sound in der Kuppel. Diese Kirche und ihr Wiederaufbau dienen als besonderes Symbol für Frieden in der Welt und Verständigung. Um die Ecke treffen sich immer noch die Rassisten und Nazis der Pegida bei ihren wöchentlichen Kundgebungen. Unerträglich!
Nach Mittagsrast in der Gaststätte des Verkehrsmuseums teilte sich die WIBeN- Touristengruppe. Einige stöberten weiter in der Dresdener Mitte herum und ein Teil besuchte die ehemalige Stasizentrale Dresden mit Gefängnis und Kellerknast der Sowjets: sehr bedrückend, aber es ist „unsere“ Geschichte. Im Biergarten am „Blauen Wunder“ (berühmte Stahlbrücke über die Elbe aus dem 19. Jahrh.) haben wir diesen Besuch „ausgewertet“ und Erfahrungen der repressiven DDR und der repressiven BRD ausgetauscht. Vieles klang sehr ähnlich.
Niemand wollte an diesem Abend in der Dresdener Neustadt (ist eigentlich Altstadt) eine lange Nacht machen oder eine Kulturveranstaltung besuchen. Wir trafen uns wieder in Batzdorf unter der Linde und Katrin regte eine Erzähl- und  Vorstellungsrunde an.  Immer wieder sehr interessant. Auch von Menschen, die man lange kennt erfährt man Neues.

Und das haben wir auch noch erlebt in den Tagen:
– Am Donnerstag der spontane Besuch bei einem alten Silberstollen und das Gespräch mit dem Paar, das dieses Projekt mit viel Engagement zu einem gastronomisch / kulturellen Ort der Begegnung ausbaut. In der Mitte des zukünftigen Gastraums geht ein Stollen 60 m in die Tiefe.
– Der Film „Batzdorf“, bei dem uns die wirkliche Bauleistung über die Jahrzehnte klar wurde und tolle Kulturprojekte vorgestellt wurden.
– Das gute Frühstück von Frau Horn in der engen Küche der Pension und der Extrakuchen am Samstag, just zu Axel`s 61. Geburtstag, den wir dann auch noch am Brunnenstein im Schloss weiter gefeiert haben.
– Die sehr wertschätzende Rückmeldung an uns WIBeNs, wie wichtig unsere damaligen Bauwochen und die sonstige Unterstützung (Vereinsgründung, GLS Bank) für die Entwicklung des Projektes waren.
– Erika, die ihren Rolli dabei hatte und gut gelaunt und sehr tapfer über alle Kopfsteinpflaster rollte (danke an alle, besonders an Niko den Teufelsschieber).
– Die schöne Einladung zu einem (Selbstversorger) Ferienhaus im Elbsandstein, wo man besonders mit Kindern und auch sehr kostengünstig Urlaub machen kann. Das Haus wird von den Batzdorfern verwaltet (Infos bei Hermann).
– Eine Fettbemme ist eine Bemme mit Fett! Und eine Bemme ist eine Bemme. Was denn sonst.
– Die Rückfahrt mit Stau, Regen und Hagel, nachdem wir doch so gut hin gekommen waren.

Fazit und Auswertung:
Mit WIBeNs unterwegs sein ist klasse. Wir hatten viel Spaß und  haben viel gelacht. Und wir hatten mal wieder Zeit, länger miteinander zu reden als beim Stammtisch oder bei einer MV.
Das Beeindruckendste war aber der Besuch auf dem Schloss und die Begegnungen und Gespräche mit den Bewohner/Innen. Hier = Batzdorf und da = Westerwald sind engagierte Menschen unterwegs – in einem gemeinsamen Sinn: sozial, kulturell, politisch, ökologisch… Dies ganz praktisch und hautnah an einem Projekt wie Batzdorf zu erleben hat sehr gut getan und gibt Energie für den Alltag.

O-Töne aus der Abschlussrunde: alles war gut und eine runde Sache; tolle Begegnung mit den Batzdorfern; als WIBeN Gruppe hab ich Gemeinschaft erlebt; beeindruckende Atmosphäre in Batzdorf; hab mich sehr, sehr wohlgefühlt und würde auch als WIBeN Anhängsel gerne wieder mitfahren dürfen; das etwas andere WIBeN Wochenende mit Kultur u. Begegnung war toll; beindruckende Bauleistung auf dem Schloss, bitte in Zukunft Unterkunft mit Toiletten, die abschließbar sind…

Und ganz zum Schluss ein Statement von unserem guten Guide Josef: Das war ein toller Besuch und hat mir auch persönlich sehr gut getan. Besonders hat mir die Vorstellungsrunde gefallen. Bei Euch wird soziales und politisches Engagement gelebt. Der Kontakt zwischen Batzdorf und WIBeN sollte unbedingt weitergehen.

Schön, dass so eine schöne WIBeN Reisegruppe zusammen kam!
Danke an die Batzdofer für ihre Gastfreundschaft!

Text: Hermann 5/2018

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