Regionalwährung im Westerwald - Brod€inheit
Der direkte Weg zum Marktplatz:
www.brodeinheit.org
Regionalwährung im Westerwald: Die Brod€inheit ( B€ )
Regionalgeld gilt als wichtiges Werkzeug nachhaltiger Regionalentwicklung, die als Ergänzung zu globalisierten Wirtschaftsstrukturen zunehmend Beachtung findet. Dem Regiogeld-Verband sind bundesweit etwa 60 Initiativen bekannt. Zu den Bekannten zählen etwa der „Chiemgauer“, der „Urstromtaler“, oder die „Havelblüte“.Die "Brod€inheit" entstand 2004 zunächst als vereinsinternes Experiment von WIBeN e.V.. Im Zuge der Finanzkrise gewann die Idee erneut an Aktualität und Brisanz, so dass das Projekt auf dem WIBeN Wochenende 2009 neue Mitstreiter fand.
Der Name „Brod€inheit“ ist in Erinnerung an Friedrich Wilhelm Raiffeisen gewählt worden, der im 19. Jahrhundert durch Gründung des „Brodvereins“ den Menschen in unserer Region die Möglichkeit zur Selbsthilfe aufzeigte. Raiffeisen war davon überzeugt, dass dem Einzelnen am besten dadurch Hilfe zu Teil wird, indem gemeinsames Handeln die Region weiter entwickelt.
Was aber ist der Sinn einer Regionalwährung?
Als Grundprinzip wirtschaftlichen Handelns gilt: Waren und Dienstleistungen fließen in die eine Richtung, Geld fließt in die entgegen gesetzte Richtung.
Z.B. wandern Brötchen über die Ladentheke, kommt ihnen Geld entgegen.Der Bäcker kauft Mehl, Obst, Energie, Arbeitsleistung etc., Geld fließt in die andere Richtung. Kauft der Bäcker nun seine Zutaten in entfernten Regionen oder Ländern ist das Geld für die Region verloren, es kommt nicht mehr zurück.Je deutlicher eine Region dagegen auf die Förderung regionaler Wirtschaftskreisläufe setzt, desto mehr Kaufkraft kann in der Region gebunden werden. Erlöse in Regiogeld werden immer dort wieder ausgegeben, wo sie erzielt wurden. Wenn also der Bäcker seine Zutaten bei Zulieferern aus der Region kauft, die Energie in der Region produziert wird, er Dienstleistungen aus dem regionalen Umfeld in Anspruch nimmt, entsteht ein Netzwerk aus Geschäftsbeziehungen und es ist durchaus wahrscheinlich, dass Lücken in der Wertschöpfungskette entdeckt werden, die Existenzgründungen oder Geschäftserweiterungen nach sich ziehen. So wird die wirtschaftliche Entwicklung einer Region nachhaltig unterstützt.
Ein weiterer wesentlicher Aspekt ist, Regiogeld ist „Nahgeld“. Da es in einer überschaubaren Region gültig ist, entstehen persönliche Beziehungen unter den Wirtschaftsakteuren, damit rücken Produktqualität, Produktionsbedingungen, vermeidbare Transportwege sowie Spezialitäten der Region deutlicher in den Blick. Kooperationen und gemeinsame Vermarktungsstrategien können entstehen.
Haben die Teilnehmer über die Zeit genügend Vertrauen in ihre Regionalwährung entwickelt, lassen sich Finanzierungsinstrumente jenseits der üblichen Zinseszinsbelastung entwickeln, die das Wirtschaftspotenzial der Region fördern. Regiogeld bleibt dabei gebunden an die Realwirtschaft und ist frei von Spekulationsgeschäften. Natürlich kann Regiogeld immer nur Komplementärwährung sein und den Euro nicht ersetzen, aber es sorgt bei jedem Wirtschaftsakteur, egal ob er die Zutaten liefert, das Brötchen backt, verkauft oder essen will, dafür, dass er, wo immer er auf Regiogeld trifft, über sein Einkaufsverhalten nach- und gegebenenfalls umdenkt.
Aber wo kommt das Geld nun her?
Geld hat keinen Wert an sich. Geld zu besitzen bedeutet, dass der Besitzer in entsprechendem Umfang, Leistungen anderer Teilnehmer am Währungssystem in Anspruch nehmen kann. Man geht davon aus, dass derjenige der Geld hat, dafür eine Leistung erbracht und damit quasi einen Anspruch auf eine Gegenleistung erworben hat. Diese Grundidee gilt in weiten Teilen der Finanzwirtschaft mit ihren leistungslosen Einkommen aus Vermögen, ermöglicht über Zinseszins und Spekulationsgeschäfte, nicht mehr. Regiogeld ist also eine Möglichkeit zur ursprünglichen Bedeutung des Geldes zurückzukehren. Bei den Regionalwährungen unterscheidet man im Hinblick auf die Geldschöpfung zwei Systeme:
- Bei den Euro-gedeckten Währungen werden Euro gegen die entsprechende Regionalwährung getauscht. Eine Teilnahme am System setzt also den Besitz von Euro voraus.
- Ganz anders bei den leistungsgedeckten Währungen. Geld wird in diesem Modell an die Leistungsbereitschaft und das Leistungspotential der handelnden Akteure gekoppelt. Jeder Regiogeld-Akzeptant steht durch seine eigene Leistungsfähigkeit für den Wert der Regionalwährung. Es ist genau das für Regiogeld kaufbar, was die Teilnehmer innerhalb ihres Netzwerkes anbieten. Das Netzwerk stellt die Gesamtleistungsfähigkeit des Systems dar und die Mitglieder stellen mit ihren Produkten und Leistungen die „Deckung“ des Geldes. Die Teilnahme ist auf diese Weise nicht an schon vorhandene Liquidität gebunden. Leistung kann direkt in den Wirtschaftskreislauf eingebracht und so zusätzliche Kaufkraft geschaffen werden. Das System basiert auf dem Prinzip des Vertrauens in den „ehrbaren Kaufmann“ in jedem Akteur.
Kontrolliert werden Regiogeldsysteme durch die Wertestandards des Regiogeld-Verbandes, jede Mitgliedsinitiative ist auf die Einhaltung demokratischer und transparenter Grundsätze verpflichtet.
Aber wie geht das nun konkret?
Die Brodeinheit ist eine leistungsgedeckte Währung. Sie ist ein reines Buchgeld, d.h. jedes Geschäft wird auf einer Kontokarte verbucht. So können die Geschäftspartner den jeweiligen Kontostand immer direkt einsehen, entsprechend sind Geschäfte über ein Online-Konto möglich.
Die Teilnahme wird als Mitgliedschaft bei der buchführenden Stelle beantragt. Nach dem Bezahlen der ersten Jahresgebühr erhält der Beteiligte seine Kontokarte und den Zugang zum Marktplatz.
Die erste Kontokarte startet mit einem Startguthaben von 5 Brod€inheiten.Weitere Brod€inheiten können von den B€teiligten durch das Anbieten von Dienstleistungen und Waren verdient oder von anderen B€teiligten (für Euro) erworben werden.Jedes Mitglied erklärt sich damit einverstanden, dass Name und Adresse anderen B€teiligten zugänglich gemacht werden. Eine aktuelle Liste aller B€teiligten, insbesondere der angeschlossenen Betriebe und deren Angebote stellt die buchführende Stelle zur Verfügung oder kann für B€teiligte auf dem Internet-Marktplatz www.brodeinheit.org eingesehen werden.
Damit die Brod€inheit die Wirtschaft in der Region beleben kann, muss sie im Fluss bleiben. Dazu dient der Umlauf-Impuls, der zurzeit 4% pro Jahr beträgt und taggenau abgerechnet wird. Wenn z.B. ein B€teiligter 100 B€ ein Jahr lang ungenutzt auf seiner Kontokarte „lagert“, werden hierfür 4 B€ als Umlauf-Impuls fällig. Jeder B€teiligte sollte also das Interesse haben seine B€ schnell wieder zurück in den Kreislauf zu bringen. Brod€inheiten „unters Kopfkissen zu legen“, zahlt sich nicht aus.
Die B€teiligten sind als Projektgruppe beim Westerwälder Initiativen und Betriebe Netzwerk e.V. organisiert. Verwaltet wird die Brod€inheit von der buchführenden Stelle. Diese Aufgabe wird zur Zeit von Sabine Trosiner im Haus Felsenkeller wahrgenommen (Tel: 02681 / 986413, Fax 02681 / 7638, email: trosiner(at)haus-felsenkeller.de). Sie gibt neue Kontokarten aus, verwaltet Personendaten und Bankverbindungen. Alle Daten werden nur zur Verwaltung verwendet und nicht an Dritte weiter gegeben.Die buchführende Stelle überprüft außerdem die Korrektheit der B€-Buchungen und zieht den Umlauf-Impuls von jedem B€teiligten ein. Wenn eine Kontokarte nicht zum jährlichen Stichtag bei der buchführenden Stelle eingereicht wird, wird eine pauschale Gebühr von 10€ eingezogen.
Einmal im Jahr wird der Mitgliedsbeitrag in Höhe von derzeit 8 Euro fällig. Dieser wird von der buchführenden Stelle vom Girokonto der Beteiligten eingezogen und dient ausschließlich der Deckung der Verwaltungskosten. (Mitgliedsbeitrag Regiogeld-Verband, Personal- und Sachkosten der buchführenden Stelle)
Die B€teiligten treffen sich jährlich zu mind. einer Jahresversammlung. Die Jahresversammlung ist das beschlußfassende Gremium. Sie wählt alle zwei Jahre den Währungsrat, als geschäftsführendes Organ. Einzelheiten sind in der Geschäftsordnung geregelt.
Aber ist das nicht unbequem?
Stimmt, es erfordert persönlichen Einsatz und ist wahrscheinlich auf den ersten Blick selten billiger. Aber es eröffnet neue Möglichkeiten wirtschaftlichen Denkens und Handelns.
- Es vermittelt Wissen über Geld, wie es entsteht und wie es funktioniert.
- Es macht Wirtschaft und ihre Zusammenhänge erfahrbar.
- Es stärkt den Blick auf das direkte Lebensumfeld, die Wertschätzung für die regionale Lebensqualität und die Bereitschaft sich dafür einzusetzen.
- Es fördert die Qualität der regionalen Infrastruktur im Sinne der Versorgung mit frischen Lebensmitteln, dezentraler Energieversorgung, wohnortnahem Dienstleistungsangebot.
- Es stabilisiert regionale Wirtschaftskreisläufe, fördert branchenbezogene Kooperationen und lässt Marktlücken deutlich werden.
- Es füllt das Motto „Regional ist 1. Wahl“ mit Leben.
- Es unterstützt bewussteres Konsumentenverhalten.
- Es rückt Produktion und Konsum näher zusammen, Transportwege werden verkürzt.
- Es fördert die sozialen Kontakte unter den Beteiligten.
- Es nimmt die Umweltverträglichkeit und die Arbeitsbedingungen von Produktionsprozessen stärker in den Blick.
- Es entsteht ein Gegengewicht zur Globalisierung und Anonymität wirtschaftlicher Prozesse.
- Wirtschaft bleibt Realwirtschaft, Spekulationsgeschäfte sind ausgeschlossen.
So gesehen überwiegt der Gewinn!
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