Rundbrief 1/2008:
Wu anners, wenn nett heeh?


Editorial

--- oder warum die Inder dankbar sind, dass es die Bettler gibt…

Liebe Leserinnen und Leser,
Modern ist das Wort “Hilfe“ eher nicht, wenn überhaupt dann wurde viel über Spenden, Bürgschaft, Darlehen und ähnliches gesprochen. Kriege, Katastrophen und neuerdings Bankencrashs rufen nun aber eben diese auf den Plan.
Im WIBeN, dem regionalen Westerwälder Netz sollte gegenseitige Hilfe an der Tagesordnung sein. Sollte – aber ist es denn so bei genauer Betrachtung?
Das Netz, gegründet vor 23 Jahren von jungen Erwachsenen, grün nicht nur hinter den Ohren. Der Geist der 68er Bewegung hat uns geprägt, die mächtige Ökologiebewegung der 80er Jahre lehrte uns, wie viel erreichbar wird, wenn es gelingt zusammen zu agieren. Und nun… breitet sich nicht in den Betrieben, wie überall im Business, die Ellbogenmentalität und die Shareholder Value Doktrin aus? Der harte Kampf um Marktanteile? Hat die Gewinnmaximierung- und Wachstumsideologie alle erfasst und sich vollends durchgesetzt? Fragen, die ich an die LeserInnen weitergeben möchte.
Doch - ja, wir haben Leuchtturm-Projekte und Aktionen! Das Projekt “WIBeN-Feuerwehrfonds“ bewährt sich und hat sich nachhaltig entwickelt. Es findet Anerkennung weit über die Region hinaus. Im Feuerwehr-, sprich Notfall fließen Finanzmittel aus dem Fonds in die beteiligten Unternehmen: zur Investitionsfinanzierung und zur Vorfinanzierung, beispielsweise bei großen Bauprojekten. Die Vorfinanzierung eines Schenkungspaketes zur Unterstützung einer Familie wurde nun erstmals mit Erfolg geprobt.
Zwei Mal in diesem Jahr stellten WIBeNs und Menschen im Umfeld ihre Arbeitskraft für zwei Hilfsaktionen zur Verfügung um hier zu räumen, da zu renovieren und in jedem Fall zu helfen bei den Netzmitgliedern, die darum baten. Die Helfenden erlebten neben Gemeinschaft und Befriedigung durch den Blick auf das Geleistete auch das gute Gefühl, welches in Indien an der Tagesordnung ist: das große Glück helfen zu dürfen. Also, liebe WIBeNs, tut euch den Gefallen – macht uns glücklich und bittet um Hilfe.
Die Brod€inheit, die Regionalwährung für die Region Westerwald hält sich tapfer, leidet jedoch an der schleppenden Verbreitung. Ist nicht die aktuelle weltweite Finanz – oder besser Spekulationskrise ein großer Ansporn, über den Umgang mit dem Geld und die Regeln für das Finanzsystem nachzudenken? Wenn Geld immer mehr Geld produziert, schreitet nicht nur die Konzentration des Geldbesitzes rasant voran, sondern der Wert für Arbeit und Leistung degeneriert. Die Brod€inheit bezieht ihren Wert ausschließlich aus dem Wert der Leistung und will nur Katalyt für Austausch sein, kein Selbstzweck. Auch hier soll die Wertschöpfung aus dem Umlauf zur Hilfe dienen!
In der Vernetzung, der gegenseitigen Hilfe, die in der Region mit Leben gefüllt und beseelt ist vom Gedanken des nachhaltigen Miteinander-Seins, liegt die Zukunft für die oft zitierte „bessere Welt für Alle, die möglich ist“. ---
Ihr Peter Müller, Projektleitung Regionetz WW

Aus der Region

---für die Region

In der Tradition der Umwelt und Ökologiebewegung der 80-er Jahre sieht WIBeN –das regionale Netzwerk von Unternehmen im Westerwald- sein Projekt „Regionetz-WW“.
„Wir wollen die Ideen und Projekte derjenigen aufspüren und würdigen, die im Westerwald anders wirtschaften, ihre Energie selber erzeugen oder die zum Beispiel durch Direktvermarktung die Brücke zwischen Erzeugern und Verbrauchern schlagen wollen“, benennt Ulli Gondorf, Vorstandssprecher des Vereines, die Ziele der Kampagne. „Unsere Themen von 1985 sind durch die Agenda 21, die 1992 in Rio von der Weltgemeinschaft beschlossen wurde, bestätigt worden.

---Anders wirtschaften
Nun setzen wir diese Arbeit in eine „lokale Agenda 21“ um. Was steht im Westerwald auf der Tagesordnung, um das Überleben des Planeten hier vor Ort zu ermöglichen? Was können wir tun – beziehungsweise genauer: Was wird bereits getan, um aus eigener Kraft die Nutzung unserer Ressourcen nachhaltig zu sichern?

---WIBeN – die Netzwerker
Dies erfordert intensive Netzwerkarbeit- dafür steht WIBeN seit vielen Jahren. Und wird zum zweiten Male darin vom Ministerium für Umwelt und Forsten Rheinland-Pfalz – den Spezialisten in Sachen Nachhaltigkeit, aus dem Fördertopf für die lokale Agenda – unterstützt. Dafür danken wir ausdrücklich. –––

–––Und nun fragen wir Sie: Was geschieht in Ihrer Gemeinde, was tun Sie, welche Ansätze zur Umsetzung der lokalen Agenda 21 haben sich bei Ihnen bewährt? Antworten Sie uns auf www.21mal21.org oder per Mail: 21x@wiben.de.

Naturlaub bei Freunden

Einige Naturerlebnisanbieter werden sich zu einer Kooperation im Sinne der „Markenkonzeption NATURLAUB“ zusammen tun. Hier können sich Landwirte, Gastgeber und weitere Partner beteiligen.
Ziel der gemeinsamen Förderung des Landes und der EU ist es, die wirtschaftliche Entwicklung durch Kooperationen zwischen Landwirten und Partnern anzuregen. „Wir hoffen damit ein passendes Werkzeug zur Förderung der KleinunternehmerInnen im Naturerlebnis und des ländlichen Raumes gefunden zu haben“, so Ulli Gondorf, „Förderspezi“ von WIBeN.
Der Grundsatzantrag wurde bereits gestellt, die Kreise unterstützen diese inhaltliche Ausrichtung und die WTS arbeitet mit den Anbietern Hand in Hand. –––

Infos: naturlaub@wiben.de
(ein ausführlicherBericht folgt in der nächsten Ausgabe)---

Wir machen unser Öl jetzt selbst

Das Thema Energie bleibt uns Menschen stets erhalten. Vor jedem Winter stellen sich die Familien die Frage: Haben wir genug Wintervorrat? Auch für den Einzelnen ist das Thema lebenswichtig, Nahrung ist Energie. Arbeiten ist Energieverbrauch mit dem Ergebnis Einkommen oder Naturalien für die Existenzsicherung zu erzielen. Alles ist ein ständiger Austausch von Energie.

Auf dem Lande ist uns dieser Zusammenhang vielleicht noch stärker bewusst als in den Städten. Viele haben das bereits bemerkt.
Aber so richtig geht es in der Region noch nicht los: Hier ist eine Zukunftschance für die Entwicklung des ländlichen Raumes! Auf dem Land können wir mit erneuerbaren Energien viel einfacher umgehen: Holz, Biomasse, Wind und Solarenergie und auch Wärmepumpen. Wir haben den Platz, uns selbst zu versorgen – und noch viele Andere mehr.
Es gibt viele gute Ansätze, wie das kreisweite Aktionswochenende „Unser Ener“ Ende September gezeigt hat. In vielen Scheunen und Kellern steht bereits neueste Technologie, arbeiten alternative Energiesysteme – und es werden immer mehr.

Uns sind allein drei Initiativen bekannt, die Ihre Dörfer von Energiekonsumenten zu Ener­gieerzeugern umgestalten wollen. Wie viele Menschen haben nach dem jüngsten Ölpreis-Schock gesagt: „Jetzt reicht’s uns - wir machen unser Öl selber!“. Sie haben sich zusammen getan und suchen nach mehr Unabhängigkeit von den großen Energie-Konzernen: „Weg vom Öl“ heißt die Devise und wir sind uns sicher: es gibt bereits eine ganze Anzahl interessanter Ansätze. Im Regionetz- WW“ arbeiten wir gemeinsam an größeren Lösungen, lernen voneinander, tauschen Erfahrungen aus und schaffen einen sozialen Mehrwert. Miteinander im Regionetz-WW:
„Schafft drei –vier- viele Energiedörfer!“
Für eine eigenständige Regionalentwicklung – von unten. –––

Kontakt:
21x@wiben.de

Regionales Geld

---Geht denn das?

SViele haben schon von den erfolgreichen Regiogeld-Initiativen in Deutschland gehört: der Chiemgauer allen voran. Die wenigstens wissen aber, dass es auch im Westerwald eine Initiative für eine regionale Komplementärwährung gibt: Die „Regionale Brod€inheit“.

In der Region wirtschaften …
Der Name wurde in Würdigung F.W. Raiffeisens gewählt, der als Gründervater der Idee der Zusammenarbeit in den Westerwälder Dörfern gelten kann und der ebenso einen andern Umgang mit Geld und Zinsen forderte. Und mit dessen „Brodvereinen“ in Weyerbusch und Flammersfeld vor mehr als 150 Jahren „alles anfing“.
Nach drei Jahren erfolgreichen Bestehens existieren zur Zeit etwa 60 Akzeptanzstellen. Die Mitglieder tauschen Leistungen und Produkte gegen „Brod€inheiten“ ein. Der Kreis der Beteiligten stagniert jedoch. Vielleicht ist ein leistungsgedecktes Regionalgeld zu kompliziert. Vielleicht wären echte Geldscheine besser, um die Idee weiter zu tragen. – Oder stehen wir kurz vor einem Durchbruch? –––

Diese Fragen sind Gegenstand einer offenen Diskussion
am 24. Okt. 2008 um 19.00 im Haus Felsenkeller. Weiter Treffen werden folgen.
Kontakt: brodeinheiten@wiben.de
Info: www.regiogeld.de

3. Westerwälder Naturerlebnistage

---Nach dem Spiel ist vor dem Spiel ...

„Der Erfolg der NET im Jahre 2008 besteht vor allem darin, dass sie erneut stattgefunden haben“, so Jörg Schulz als Projektleiter der NET08. Mehr als 83 Angebote waren online buchbar, über 20 Anbieter haben sich als professionelle Tourismus-Akteure eingebracht und erneut haben Familien von hier und von „wo anners“ den Westerwald als Ferienregion kennen gelernt. „Unser Konzept ist auf Jahre ausgerichtet“ erläutert Ulli Gondorf; während wir letztes Jahr das Event etabliert haben und einen ganzen Landkreis beispielgebend involviert haben, wollten wir dieses Jahr Strukturen aufbauen, die für die Ausweitung des Projekts auf den geografischen Westerwald nötig sind.“

---Attraktiv ist nur die Region gemeinsam …
Ein zweites Ziel, die frühzeitige Programmplanung für 2009 konnte mit der „Westerwald Tourismus-Service“ (WTS) der Regionalagentur fest vereinbart werden und soll noch in diesem November erreicht werden.
Dafür wurde extra ein „NET Tourismus Management System“ im Internet eingerichtet. Wolfgang Conzendorf, der sich mit seiner Firma Westerweb auf Datenbanklösungen im Tourismus spezialisiert hat: „Jetzt kann jeder Anbieter jederzeit seine Angebote von Zuhause aus einstellen und pflegen. Damit sind wir einem frühzeitigen Angebot für 2009 ein klares Stück näher gekommen. –––

Infos:
www.westerwaelder-naturerlebnistage.de

projekt@westerwaelder-naturerlebnistage.de


Der komplette Rundbrief kann hier als PDF-Datei runtergeladen werden.
(1,2 MB)



AKTUELL | VERANSTALUNGEN | RUNDBRIEF | KAMPAGNE | UNTERSTÜTZER | KONTAKT | IMPRESSUM